Notfallseelsorger Wolfgang Bender im Löschzug Stukenbrock
Fachberater Seelsorge und Notfallseelsorger
– der traditionelle „Feuerwehrseelsorger“ neu entdeckt –

06.03 Uhr: der Melder schrillt bei den Kameraden. „Brandeinsatz mittel. X-Straße 19“. Auch Pastor xy steht auf und eilt zur Wache. Er ist Mitglied des Löschzugs. Zunehmend befinden sich mit im Einsatz der Feuerwehren in Nordrhein-Westfalen Pastöre, Pfarrer, Diakone, Ordensleute, pastorale Mitarbeiter der Kirchen, soweit sie sich für den Dienst in Feuerwehr und Rettungsdienst neben ihren vielfältigen Aufgaben z.B. in ihren Gemeinden ansprechen lassen. Auf ihren Einsatzjacken prangt der Schriftzug: „Notfallseelsorger“ oder einfach „Seelsorger“.

Die Tätigkeit der Einsatzkräfte in Feuerwehr und Rettungsdienst ist in den vergangenen Jahren immer komplexer geworden. Der zunehmenden Perfektionierung und Spezialisierung brandschutz- und rettungstechnischer Kenntnisse und Mittel steht auf dem Gebiet der psychischen oder seelischen Betreuung von Notfallopfern und Notfallhelfern eine immer stärker klaffende Lücke gegenüber. Aufgrund dieser Entwicklungen forderten die Feuerwehren, Hilfsorganisationen und Notarztdienste die Einbeziehung von Seelsorge in ihren Dienst, da die Kirchen seit Jahrhunderten Erfahrung im Beistand auch seelisch verletzter Menschen besitzt. Die Kirchen antworteten mit in der Pastoral hauptberuflich
tätigen Geistlichen und Mitarbeitern mit Theologie- oder vergleichbaren Studienabschlüssen,
die diesen Dienst in Feuerwehr und Rettungsdienst ehrenamtlich tun. Zusätzlich lassen
sich die „Fachberater Seelsorge“ in Gesprächsseelsorge, Psychotraumatologie und in der
Einsatzpraxis z.B. im Institut der Feuerwehr (IdF) in Münster ausbilden, um im Einsatz mit Feuerwehr und Rettungsdienst Menschen in Not akut betreuen und begleiten zu können.

Seit gut zwanzig Jahren begleiten Theologen und Seelsorger der evangelischen und katholischen Kirchen Feuerwehren und Rettungsdienste bei ihrem schweren Einsatz.
Ihre erste Sorge gilt den Opfern von Bränden, Verkehrsunfällen und sonstiger in Not geratener Menschen. Ihnen stehen die Seelsorger bei, sprechen mit ihnen, halten ihre Hand, sorgen sich um sie an der Brand- und Unfallstelle und beten ggf. für sie und mit ihnen. Notfallseelsorge ist „Erste Hilfe für die Seele“.

Aber auch direkte Angehörige, andere Unfall- oder Brandbeteiligte wie Nachbarn oder zufällig Anwesende spricht der/die Seelsorger/in an, um herauszuspüren, ob seelsorgerliche oder psychische Betreuung sofort durch ihn oder sie oder später durch weitere Fachkräfte vonnöten sind. Der Notfallseelsorger oder Fachberater Seelsorge der Feuerwehr
arbeitet als Feuerwehrmann/frau eng mit der Einsatzleitung zusammen, die ggf. weisungsbefugt ist.

Eine andere Zielrichtung der Fachberatung Seelsorge der Feuerwehr ist ebenso wichtig.
Denn: Es gibt kaum eine berufsmäßig oder ehrenamtliche betroffene Helfergruppe, die mit mehr Leid durch Verletzung, Sterben und Tod regelmäßig konfrontiert ist wie die Feuerwehrleute und Rettungskräfte. Das lässt sich oftmals nicht einfach so wegstecken. Nicht nur spektakuläre große Einsätze, auch tägliche Routineaufgaben können Eindrücke hinterlassen, die immer wieder hochkommen und nicht so schnell zu verarbeiten sind. Der Feuerwehrmann, die Feuerwehrfrau, wird konfrontiert mit verstümmelten oder verbrannten Menschen, sterbenden Menschen, verletzten Kindern und Gleichaltrigen, plötzlichem Kindstod, Opfern sinnloser Gewalt und als Folgen von kriminellen Handlungen, Massenunfällen, Suizidenten sowie der Tatsache, dass oftmals trotz des Einsatzes die Hilfe zu spät kommt. Es belastet, wenn man manchmal nur ohnmächtig zusehen kann, wie Menschen leiden und womöglich sterben müssen oder großer materieller Schaden entsteht. Gelegentlich kann eine solche Belastung traumatische Folgen haben, die angegangen und behandelt werden müssen, damit der Helfer nicht krank wird. Die „Psycho-Hygiene“, das Seelenleben des Helfers ist in Gefahr.
Fachberatung Seelsorge ist Helferseelsorge.


Unsere Arbeit in der Feuerwehr braucht aber auch weiterhin menschliche Qualität und gute, einfühlsame Helfer. Gut sein heißt für uns nicht nur körperlich fit zu sein, sondern auch, sich mit seelischen Belastungen bewusst und konstruktiv auseinander zusetzen. Oft helfen schon Gespräche mit Kameraden oder Einsatzleitern nach dem Geschehen. Es kann befreien und erleichtern, eigene Belastungen einfach anzusprechen und „Druck abzulassen“, bei geeigneten Helfern wie den Kameraden mit einer PSU (Psycho-soziale Unterstützung) -Ausbildung oder beim Fachberater Seelsorge oder Feuerwehrseelsorger, der dann auch für die Helfer da ist. Wenn schlimme Ereignisse noch belastender auf die Einsatzkräfte einwirken, sorgt der Fachberater Seelsorge für geeignete Gruppenoder Einzelgespräche des betroffenen Löschzugs (sogenannte „defusing“ und „debriefing“).

Die Kirche in unserem Land, Westfälische Landeskirche und das Erzbistum Paderborn, bieten der Feuerwehr und den Rettungsdiensten Hilfe an durch die Mitwirkung von Geistlichen und Hauptamtlichen der Kirchen in ihren eigenen Reihen. Folgende Aufgaben hat - laut „Information für den Wehrführer“ - der Fachberater Seelsorge in der Feuerwehr:
• Vorbereitung auf die Tätigkeit durch regelmäßige Kontakte zu den Einheiten bei Ausbildung und Einsätzen
• Mitarbeit und Mitwirkung bei der Aus- und Weiterbildung im ethischen Bewusstsein der Feuerwehrangehörigen
• Beratung der Führungskräfte bei Planung, Übung und Einsatz in Bezug auf Fürsorge für Einsatzkräfte und Geschädigte
• seelsorgliche Betreuung der Einsatzkräfte vor, während oder nach belastenden Einsätzen
• die Vermittlung von Fachkräften, die weitergehende Betreuung oder Behandlung übernehmen können
• Unterstützung der Feuerwehrleute und deren Angehörige bei persönlichen Problemen und
• seelsorgliche Betreuung von Geschädigten und deren Angehörigen.

Jede Feuerwehrfrau, jeder Feuerwehrmann, hat die Möglichkeit, sich direkt an den FBS zu wenden, der in ihrer/seiner örtlichen Umgebung ist. Der Seelsorger, die Seelsorgerin arbeitet vertraulich, verschwiegen, unbürokratisch, ohne lange Wartezeit und ohne Kosten. Notfallseelsorger und Fachberater Seelsorge stehen in der Tradition jahrelanger guter Erfahrung von Feuerwehren mit den traditionellen Feuerwehrseelsorgern, die schon immer als „Pfarrer“ vor Ort Feuerwehr und Rettungsdienst unterstützt und begleitet haben, nur heute fachgerichteter und einsatzerfahrener.
„Manchmal ist es einfach zuviel“.
Der Notfallseelsorger und Fachberater Seelsorge betreut im Bedarfsfall Opfer und Helfer und ist einfach Kamerad in der Wehr.

Monsignore Wolfgang Bender Diözesanbeauftragter für Polizei-, Feuerwehr- und Notfallseelsorge in der Erzdiözese Paderborn, Fachberater Seelsorge und Notfallseelsorger der Feuerwehr Schloß Holte-Stukenbrock

Meine Erreichbarkeit:
Carl-Sonnenschein-Weg 6 in
Schloß Holte-Stukenbrock
Tel. 0 52 07 - 99 59 37
Fax. 0 52 07 - 99 59 68
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